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Journal Glossary

In der Hexer-Saga sowie anderen Werken des Autors Andrzej Sapkowski gibt es immer wieder Bezüge zu anderer Literatur. Es handelt sich häufig um beiläufige Bemerkungen und Hinweise, teilweise deutet Sapkowski auch Märchen, Sagen und Legenden um, so dass sich ein ganz neuer Blickwinkel auf diese Mythen bietet.


Einige Ausschnitte und Zitate aus solchen Werken, thematisch nach Quelle, in alphabetischer Reihenfolge:

W.png Märchensammlung der Gebrüder GrimmBearbeiten

W.png Aschenputtel Bearbeiten

Vorigen Winter hat der weniger gnädige Fürst Hrobarik versucht, mich für die Suche nach einem hübschen Mädchen anzustellen, das seine ordinäre Buhlerei satt hatte und von einem Ball floh, wobei es einen Schuh verlor.
Eine Frage des Preises (Kurzgeschichte), enth. in Der letzte Wunsch, Ausgabe Doppelband, Heyne 2000, S. 171

W.png Dornröschen Bearbeiten

In Temerien werden Gerüchte gesponnen, was mit Foltests Tochter Adda passiert sein mag:

"Sie wurde mit einer Spindel gestochen und ist in einen ewigen Schlaf gefallen, die Ärmste, wie ein Gerücht besagt; sie liegt in einem Sarg in einem von Hagedorn überwucherten Kastell."
Zeit des Sturms, Ausgabe dtv 2015, S. 430

W.png Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich Bearbeiten

Nivellen erzählt Geralt von einem Märchen, das er von seiner Amme Lenchen gehört hat:

"[...] Verdammt, dachte ich, es sieht so aus, als ob hübsche Mädchen Frösche in Prinzen verwandeln, oder auch umgekehrt [...]"
Ein Körnchen Wahrheit (Kurzgeschichte), enth. in Der letzte Wunsch, Ausgabe Doppelband, Heyne 2000, S. 76

W.png Hänsel und Gretel / Alte Hexe Bearbeiten

"[...] Sie haben mir von einer Jaga erzählt, die irgendwo in den hiesigen Wäldern ihren Schlupfwinkel hat, ein Häuschen auf einem klauenbewehrten Hühner-Dreibein. [...]"
Eine Frage des Preises (Kurzgeschichte), enth. in Der letzte Wunsch, Ausgabe Doppelband, Heyne 2000, S. 167

Im Laboratorium des bösen Zauberers Sorel Degerlund hingegen entdeckt Geralt einen Jungen, der in einem Käfig eingesperrt ist:

Er erblickte dünne Finger, die die Eisenstäbe umklammerten. Und dann die Augen.
"Herr... Helft mir..."
Ein Junge, höchstens zehn Jahre alt. Zusammengekrümmt und zitternd.

Zeit des Sturms, Ausgabe dtv 2015, S. 354

Für ein gleichaltriges Mädchen, vermutlich die Schwester des Jungen, kommt jedoch jede Hilfe zu spät, denn der Zauberer hat sie bereits für seine Experimente seziert.

W.png Rapunzel Bearbeiten

Der Magier Stregobor klärt Geralt darüber auf, wie der Rat der Zauberer mit den (vermeintlich) vom Fluch der Schwarzen Sonne - bzw. der "Manie des Verrückten Eltibald" - befallenen Prinzessinnen verfahren ist:

"[...] Wir haben uns geirrt, und mehr als einmal. Es war außerordentlich schwer, sie herauszugreifen. Darum haben wir auch aufgehört, sie ... zu beseitigen, und sie statt dessen versteckt."
"Eure berühmten Türme", sagte der Hexer abfällig.
"Unsere Türme. Aber das war auch wieder ein Fehler. Wir haben sie unterschätzt, und viele sind uns entwischt. Unter den Prinzenm vor allem den jüngeren, die nicht viel zu tun und noch weniger zu verlieren hatten, kam so eine irrsinnige Mode auf, die gefangenen Schönheiten zu befreien. Zum Glück haben sie sich meistens den Hals gebrochen."

Das kleinere Übel (Kurzgeschichte), enth. in Der letzte Wunsch, Ausgabe Doppelband, Heyne 2000, S. 115

W.png Rotkäppchen Bearbeiten

Als Geralt zusammen mit Braenn im Brokilon-Wald unterwegs ist, trifft er auf ein Wesen im grauen Wämslein mit roter Kapuze:

Geralt betrachtete das Mädchen. [...] das kleine Wams mit der roten Kapuze, das sie trug, ließ nichts erkennen [...]
Das Schwert der Vorsehung (Kurzgeschichte), enth. in Das Schwert der Vorsehung, Ausgabe dtv 2008, S. 322

Die Zuordnung zu "Rotkäppchen" ist nicht ganz eindeutig, doch das Mädchen, die Erwähnung der roten Kapuze und dass die Handlung sich in einem Wald abspielt deuten darauf hin.

W.png Rumpelstilzchen Bearbeiten

Gokgokling zitiert die Geschichte von der Königin Zivelina, um Calanthe zu demonstrieren, dass man sich an die gegebenen Versprechen beim "Gesetz der Überraschung" zu halten hat.

"[...] Denkt auch an Zivelena, die mit Hilfe des Gnoms Rumpelstilt Königin von Metinna wurde und ihm dafür ihr erstes Kind versprach. Zivelena hielt ihr Versprechen nicht, als Rumpelstilt seine Belohnung holen kam, und zwang ihn mit Zauberei zur Flucht. Kurze Zeit darauf starb sie mit ihrem Kind an einer Seuche. Man spielt nicht ungestraft mit der Vorsehung!"
Eine Frage des Preises (Kurzgeschichte), enth. in Der letzte Wunsch, Ausgabe Doppelband, Heyne 2000, S. 188

W.png Schneewittchen Bearbeiten

Als Anleihe auf den sprechenden und allwissenden Spiegel:

"[...] Aridea wandte sich recht oft an den Spiegel ..."
"Mit der üblichen Frage, nehme ich an", fiel ihm Geralt ins Wort. "'Wer ist die Schönste im ganzen Land?' Soviel ich weiß, gibt es nur zwei Arten der Spiegel der Nehaleni: starrsinnige und zerstörte."

Das kleinere Übel (Kurzgeschichte), enth. in Der letzte Wunsch, Ausgabe Doppelband, Heyne 2000, S. 116 f.

Als Anleihe auf die sieben Zwerge:

Erst vier Jahre später erhielt ich eine Nachricht von Aridea. Sie hatte die Kleine aufgespürt, sie lebte in Mahakam mit sieben Gnomen, die sie davon überzeugt hatte, dass man besser Kaufleute überfiel, als sich im Bergwerk eine Staublunge zu holen. Sie wurde allgemein die Würgerin genannt, denn wie der gleichnamige Vogel liebte sie es, die Gefangenen lebendig auf spitze Pfähle zu spießen. Aridea stellte mehrmals Mörder an, doch keiner kehrte zurück. Später war es dann schwierig, noch welche zu finden, denn die Kleine war schon ziemlich berühmt.
Das kleinere Übel (Kurzgeschichte), enth. in Der letzte Wunsch, Ausgabe Doppelband, Heyne 2000, S. 118

Als Anleihe auf den gläsernen Sarg:

[...] Ich verpackte sie in einem hübschen Klumpen Bergkristall, sechs mal zehn Ellen.
Das kleinere Übel (Kurzgeschichte), enth. in Der letzte Wunsch, Ausgabe Doppelband, Heyne 2000, S. 119

W.png Die sechs Schwäne Bearbeiten

In der Kurzgeschichte "Das Schwert der Vorsehung" wird erwähnt, dass Baron Freixenet von einem Fluch befallen war. Als sich Geralt und Freixenet darüber unterhalten, bemerkt der Hexer, wie sehr sich der Inhalt dieses Vorfalls ändert, je öfter er weiter erzählt wird, so dass es mittlerweile wie ein Märchen klingt.

Märchen von W.png Hans Christian AndersenBearbeiten

W.png Die kleine Meerjungfrau Bearbeiten

Rittersporn träumt von einer neuen Ballade zu Geralts aktuellem Abenteuer, wo er dem Fürst Agloval helfen soll, die Sirene Sh'eenaz zu heiraten:

"[...] In meiner Ballade opfert sich die Sirene für den Fürsten auf, tauscht Fischschwanz gegen ein paar schöne Beine, doch sie bezahlt es mit dem Verlust ihrer Stimme. Der Fürst betrügt sie, verläßt sie, und da stirbt sie vor Trauer, verwandelt sich in Meerschaum, wenn die ersten Sonnenstrahlen ..."
Ein kleines Opfer (Kurzgeschichte), enth. in Das Schwert der Vorsehung, Ausgabe Doppelband, Heyne 2000, S. 227

W.png Die Prinzessin auf der ErbseBearbeiten

Renfri erzählt Geralt:

Ich bin eine Prinzessin mit einem feinen Körperbau, ich spüre eine Erbse durch den Strohsack hindurch.
Das kleinere Übel (Kurzgeschichte), enth. in Der letzte Wunsch, Ausgabe dtv 2009, 5. Aufl., S. 144 f.

W.png Die Schneekönigin Bearbeiten

Geralt und Yennefer unterhalten sich über die Herkunft des Namens der Stadt Aedd Gynvael:

"Unter den Elfen", flüsterte die Zauberin nachdenklich, "geht die Legende von der Königin des Winters, die im Schneesturm in ihrem mit weißen Pferden bespannten Schlitten übers Land fährt.
Ein Eissplitter (Kurzgeschichte), enth. in Das Schwert der Vorsehung, Ausgabe Doppelband, Heyne 2000, S. 113

Sagen, Legenden, MythenBearbeiten

W.png Artus-Legende (Mythologie Britanniens) Bearbeiten

Praktisch durch den ganzen fünften und bislang letzten Band der Geralt-Saga, Die Dame vom See, ziehen sich Anleihen auf Personen und Ereignisse der Artus-Legende. Der Name des Bandes ist bereits der markanteste Hinweis darauf: poln. Originaltitel "Pani jeziora" - ins Deutsche übertragen W.png Die Herrin vom See.


W.png Baba Jaga (slawische Mythologie) Bearbeiten

"[...] Sie haben mir von einer Jaga erzählt, die irgendwo in den hiesigen Wäldern ihren Schlupfwinkel hat, ein Häuschen auf einem klauenbewehrten Hühner-Dreibein. [...]"
Eine Frage des Preises (Kurzgeschichte), enth. in Der letzte Wunsch, Ausgabe Doppelband, Heyne 2000, S. 167


Der Räuber Nachtigall (russische Mythologie)Bearbeiten

In Der Schwalbenturm ist die Rede von einer "Nachtigall"-Räuberbande. Sie wird angeführt von Homer Straggen, der für seine besondere Grausamkeit bekannt war.

In mittelalterlichen W.png russischen Heldenliedern, aber bspw. auch in estnischen Märchen, wird u.a. der Recke W.png Ilja_Muromez beschrieben, der den Räuber Nachtigall zur Strecke gebracht hat. Nachtigall hatte eine unheimliche Waffe, die ihn bis dahin unantastbar gemacht hatte: sein Pfiff war tödlich.


W.png Der Rattenfänger von Hameln (deutsche Sage) Bearbeiten

Im Handlungsabschnitt "Die Stimme der Vernunft (5)" unterhalten sich Geralt und Rittersporn über aussterbende Berufe. Einst hatte es Rattenfänger mit Flöten gegeben. Städte, die von einer Rattenplage heimgesucht waren, holten einen Rattenfänger. Dem geheimnisvollen Flötenspiel dieser Rattenfänger folgten die Ratten, als er die Stadt verließ. Im Laufe der Zeit haben Magier wirksamere Mittel erfunden. Es gab Katzen. Alles preisgünstigere Alternativen zu Rattenfängern, die nun nicht mehr gebraucht wurden.


W.png Rübezahl / Klopfer (Sagen- und Märchengestalt aus dem W.png Riesengebirge) Bearbeiten

Im Roman "Der Schwalbenturm" ("Wieża Jaskółki") wird die Figur des Rübezahl als "Klopfer" benannt und auch durch ein Zitat aus dem Physiologus ausführlich beschrieben.

Der Klopfer, auch genannt Klopfgeist, Coblynau, Hämmerling, Rübezahl, Karkonosch, Schatzer oder Ödner, ist eine Abart des Kobolds, welchselbigen der Klopfer jedoch an Wuchs wie an Kraft bei weitem übertrifft. [...]
Feuertaufe, Ausgabe dtv 2010, S. 288


W.png Die Schöne und das Biest (Volksmärchen aus Frankreich) Bearbeiten

Der in ein Untier verzauberte Nivellen zu Geralt über seine Vergangenheit:

"[...] So war das bis zu dem Tag, an dem ich früh am Morgen aus dem Fenster schaue, und was sehe ich? Irgend so ein Festwanst schneidet Rosen von Tantchens Beet. [...] Die Wut überkam mich, ich stürzte auf den Hof. Als der Dicke die Stimme, die er bei meinem Anblick verloren hatte, wiederfand, quiekte er, er wollte nur ein paar Rosen fürs Töchterchen pflücken, ich sollte ihn verschonen, ihm Leben und Gesundheit lassen. [...] Ich erinnerte mich an die Märchen, die mir seinerzeit Lenchen, meine Amme, erzählt hatte, die alte Vettel. Verdammt, dachte ich, es sieht so aus, als ob hübsche Mädchen Frösche in Prinzen verwandeln, oder auch umgekehrt, also könnte doch ... [...] Der Kaufmann, denn es war ein Kaufmann, brach in Tränen aus, worauf er mir gestand, daß das Töchterchen acht Jahre alt war."
"[...] Er muß irgendwo mit seinem Abenteuer geprahlt haben, denn es vergingen keine zwei Monate, und ein anderer Kaufmann traf ein. Er hatte einen reichlich dicken Geldsack bei sich. Und eine Tochter. Auch reichlich dick."

Ein Körnchen Wahrheit (Kurzgeschichte), enth. in Der letzte Wunsch, Ausgabe Doppelband, Heyne 2000, S. 75 f.


W.png Der Wawel-Drache (polnischer Volksglaube) Bearbeiten

In der Legende vom Drachen, der in einer Höhle unter dem Wawelhügel in Krakau lebte und dem, um ihn gütlich zu stimmen, regelmäßig jungfräuliche Mädchen geopfert werden mussten, wird das Untier von einem Schusterlehrling mit einem toten, mit Schwefel gefüllten Lamm überlistet. Nach Verzehr des giftigen Lammes bekam der Drache einen unbändigen Durst und platzte schließlich vor lauter Wasser im Bauch. In Sapkowskis Version der Legende funktioniert dieser Plan nur halb: Ein Schustermeister namens Zigenfras füllte den Kadaver mit einer abenteuerlichen Mischung, der Drache fraß das Schaf auch, doch er überlebte dieses Attentat. Später rächte sich ein anderer Drache an dem Schuster und verschlang ihn selbst mit Haut und Haaren.

"(...) Man tötete ein Schaf und stopfte es voll Nieswurz, Wolfsmilch, Tollkraut, Schwefel und Schusterpech. Sicherheitshalber schüttete der Stadtapotheker noch zwei Quart von seiner Mixtur gegen Furunkel dazu, und ein Priester aus dem Kreve-Heiligtum betete über dem Kadaver. Dann ließen sie das Schaf inmitten der Herde zurück, von einem kurzen Pfahl gestützt. (...)
Die Grenze des Möglichen (Kurzgeschichte), enth. in Das Schwert der Vorsehung, Ausgabe Doppelband, Heyne 2000, S. 26 f.

SonstigeBearbeiten

Der Herr der RingeBearbeiten

Wenn in Sapkowskis "Der Schwalbenturm" von bewegungsfähigen mächtigen Eichenmonstern die Rede ist, muss man sofort an die W.png Ents aus J.R.R. Toliens "W.png Der Herr der Ringe" denken:

Das Geschöpf erinnerte an einen gigantischen Baum, eine gegabelte uralte Eiche - und vielleicht war es auch eine Eiche. Aber eine sehr untypische Eiche. Anstatt irgendwo auf einer Waldwiese inmitten von herabgefallenen Blättern und Eicheln zu stehen, (...) marschierte diese Eiche zügig durch den Wald, stampfte gleichmäßig mit den dicken Wurzeln und schüttelte die Äste. Der bauchige Stamm - oder Rumpf - des Ungeheuers maß schätzungsweise zwei Klafter im Durchmesser, und die darin klaffende Höhle war wohl keine Baumhöhle, sondern ein Maul, denn sie klappte auf und zu, dass es klang, als schlüge eine schwere Tür zu.
Der Schwalbenturm, Ausgabe dtv 2010, S. 331

Allerdings erscheinen die Eichenmonster im Gegensatz zu den intelligenzfähigen Ents als recht tumbe Geschöpfe:

Hinter dem Eichenmonster schritt eine junge Druidin im weißen Gewand und mit einem Blumenkränzchen auf dem Kopf, die das Ungeheuer mit einer belaubten Gerte leicht vor sich her trieb.
"Tu ihnen nichts, Bäumchen, drück nicht zu. Sachte, Weide, weide, weide."

Der Schwalbenturm, Ausgabe dtv 2010, S. 332

PhysiologusBearbeiten

  • Im wahren Leben existierte im 2. Jahrhundert ein W.png Physiologus, der sich mit Fabeltieren befasste.

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